Leder oder Kunststoff? Glücksspiel bei der Deklaration der Produkte
Die Firma ist reichlich unübersichtlich. Die Marken Dockers by Gerli, Reno, Mercedes-Schuhe, bama, Chiemsee werden hier auch gehandelt.
Nach zwei guten Produkten (vor zwei Jahren) wohl jetzt ein Griff zum Schuh-Schrott.
Bei einem Schuh, dessen Obermaterial als Leder ausgewiesen ist, reißt das Material dort, wo zwei Flächen zusammengenäht wurden. Es ist ein Kunstleder, was da mit dem Leder verbunden werden sollte. Durch die viel zu kleinen Stiche mit 2 mm Länge wurde der Kunststoff praktisch "durchgestanzt". Das Nahtmaterial verschwindet regelrecht im weichen Kunststoff.
Was tut man da als Techniker?
Man gibt dem Importeur oder Hersteller Bescheid, schickt ihm Fotos, damit er das Problem in den Griff bekommt.
Auf dem Schuh-Etikett steht Dockers by Gerli. Die Website kann aber gar nicht aufgerufen werden. Sie ist falsch programmiert. Am unteren Rand des Etiketts steht "Hamm Reno Group". Von diesem Kontakt gibt´s aber gar keine Reaktion.
Nach intensiver Suche im Web und der Anforderung von weiteren Bildern die etwas dreiste Mitteilung:
"Bezüglich der Materialangabe auf unserem Etikett im Schuh, ist die Auszeichnung richtig. Das verwendete Obermaterial besteht zu mehr als 50 % aus Echtleder.
Somit gilt die Kennzeichnung -Obermaterial aus Leder-."
Oder im Klartext: Wir haben alles richtig gemacht.
Nach EU-Recht ist das jedoch eine recht sonderbare Interpretation, wenn der Hauptbestandteil eines Produkts bewusst mit dem überwiegenden Bestandteil verwechselt wird.
Nach Interpretation der HR Group kann demzufolge auch ein Abschleppseil noch zu 49 Prozent durch eine Angelsehne ersetzt werden.