Medtronic MiniMed 780G
Medtronic MiniMed 780G – Ein teurer Spaß für Nerven, Haut und Krankenkasse
Eigentlich bin ich kein Freund, der gerne Rezensionen schreibt. Aber nach dem heutigen Vorfall ist das Fass übergelaufen. Medtronic wirb vollmundig mit dem Versprechen „Better days start today“. Wenn bessere Tage bedeutet, dass man seinen Alltag, seine Haut und seine Nachtruhe den Launen einer eigenwilligen Maschine unterordnet, dann wurde dieses Versprechen eingelöst. Medtronic erlaubt sich, ein geschlossenes System anzubieten. Einmal ausgewählt ist man von der Qualität einzelner Komponenten voll und ganz auf Medtronic angewiesen.
Hardware & „Tragekomfort“ – Ein Clip mit Tiefgang
Die Pumpe wird klassisch, wie den vielen anderen auch, per Clip am Hosenbund befestigt. Das sorgt beim Toilettengang für echten Nervenkitzel. Wer den ultimativen Adrenalinkick sucht, wartet nur darauf, dass sich das Gerät verabschiedet und genau dort landet, wo es, rein leistungstechnisch betrachtet, auch hingehört, in der Schüssel. Der „Griff ins Klo“ bekommt hier eine völlig neue, haptische Bedeutung.
Smart Guard – der Algorithmus, der Regeln hasst
Der Smart Guard-Algorithmus ist ein Mysterium. Ich weiß nicht, nach welcher Logik diese Software arbeitet, aber sie scheint eine tiefe Abneigung gegen grundlegende diabetische Regeln zu haben. Das beindruckende Ergebnis dieser „intelligenten Steuerung? Eine Verschlechterung meines HbA1c um 0,8%. Herzlichen Glückwunsch an die Entwickler, das muss man erst einmal hinbekommen, während man gleichzeitig behauptet, die Therapie zu optimieren.
Sensor & Katheder – Erotik-Killer und Hyperglykämie-Garant
Da man Sensor und Katheder im Bauchraum platzieren muss, sollte man sein ästhetisches Empfinden an der Garderobe abgeben. Der Sensor allein beansprucht für einen sicheren Sitz 70 cm2 Haut. Da bleibt für zärtliche Streicheleinheiten schlicht kein unbesetztes Terrain mehr übrig. Man fühlt sich weniger als Partner, eher wie eine beklebte Litfaßsäule.
Dazu kommt die technische Unzuverlässigkeit. Bei 7 von 10 Katheder-Wechsel darf ich erst einmal mit einer gepflegten Hyperglykämie rechnen. Das Medtronic nun den neuen 7-Tage-Katheder damit bewirb, dass Hyperglykämien „weitestgehend vermieden“ werden, ist eine Frechheit gegenüber allen Langzeitnutzern. Es ist das indirekte Geständnis, dass die bisherigen Katheder genau dieses Problem systematisch verursachen.
Die Alarm-Symphonie & Software-Wüste
Wenn der Sensor sich, aus was für Gründen auch immer, aktualisiert, wird man gefühlt alle 10 Minuten mit einem Alarm genervt. Auch nächtliche Verbindungsverluste werden lautstark gefeiert. Anstatt dass ein so teures System einfach im Hintergrund funktioniert (wie versprochen), benimmt es sich wie ein Aufmerksamkeit suchendes Kleinkind. Die digitale Anbindung passt dazu:
• Berichte funktionieren nur mit Internetverbindung
• Die App zickt bei anderen medizinischen Apps
• Wesentliche Daten (wie TDD) oder die Eingabe von Kohlenhydraten für späte Auswertungen, über den Tag im Speicher erfassen und auslesen? Fehlanzeige
• Steuerung im manuellen Modus per App? Ein schöner Traum, mehr nicht.
Nachhaltigkeit & Kosten-Irrsinn
Der Verpackungsmüll ist ein ökologisches Desaster. Medtronic sollte für diese Plastikberge eigentlich eine monatliche Strafzahlung an den Planeten leisten.
Viel schlimmer ist jedoch die Belastung für das Gesundheitssystem. Medtronic (und andere) sichern sich ab, indem sie bei jedem Zweifel zum BZ-Test raten. Das führt dazu, dass die GKV’s zusätzlich zu den teuren Sensoren bis zu 200 BZ-Teststreifen pro Quartal bezahlen, das sind ca 350,00 € pro Patient mit CGM-Sensorversorgung. Bei einem Defizit der GKV’s von ca. 13 Milliarden Euro (was rechnerisch etwa 200 E pro beitragszahlenden Mitglied entspricht) stellt sich die Frage: Warum trägt die Solidargemeinschaft die Kosten für die Unzulänglichkeit der Sensoren? Es wäre nur fair, wenn die Hersteller für jeden notwendigen Kontroll-Piekser selbst geradestehen müssten.
Fazit: Nein, diese Zeilen zeigen nicht meine Wut über dieses System auf. Alle diese Punkte wurden in aller Sachlichkeit in mehreren Briefen direkt an Medtronic mit der Bitte um Stellungnahme geschickt. Die Reaktion war ein beeindruckendes Null-Komma-Null. Keine Antwort, kein Interesse. Ich bin seit 40 Jahren Pumpenträger. Man soll nicht sagen, früher war alles besser, aber heute scheint die Marketingstrategie über den Erfolg zu entscheiden und nicht die Qualität und Funktionssicherheit.
30 avril 2026
Avis spontané